Wenn du zum ersten Mal einen Roman schreibst, wirkt das ganze Unterfangen wahrscheinlich wie ein riesiger Berg, den du vielleicht nie erklimmen kannst. Und gerade ein solcher Berg kann einen dazu bringen, angesichts dieser Aufgabe zu erstarren – und gar nicht mehr weiter zu schreiben. In solchen Fällen hilft es, sich bewusst für eine Romanstruktur zu entscheiden. Diese gibt dir einen Rahmen vor, in dem du deine Geschichte frei gestalten kannst, der dich aber unterstützt, wenn du nicht weißt, ob der Aufbau der Story so funktionieren kann.

Es gibt unterschiedlich detailliert ausgearbeitete Strukturen für Geschichten. Die Heldenreise zeigt relativ ausführlich, wie die meisten spannenden Geschichten funktionieren. In seinen 20 Masterplots stellt Ronald Tobias zwanzig typische Handlungsverläufe vor.

Wenn dir diese Vorgaben zu detailliert sind und dich zu sehr einengen, hilft dir vielleicht eine Romanstruktur in Akten. Dabei unterscheidet man drei und fünf Akte. Die 7-Punkt-Struktur von Dan Wells fällt ebenfalls in die Kategorie der relativ groben Vorgaben für deine Romanstruktur. Da sie außerdem sehr ähnlich der 5-Akt-Struktur ist, führe ich sie ebenfalls hier auf.

Wie viel Freiraum bei der Gestaltung des Aufbaus du gegen Struktur eintauschst, liegt natürlich bei dir. Einen Überblick über die drei Strukturen kannst du dir in diesem Artikel verschaffen.

Romanstruktur in drei Akten

Die Drei-Akt-Struktur ist am weitesten verbreitet, auch außerhalb des Romans. Du hast sie wahrscheinlich umfassend in der Schule kennengelernt. Jeder Bericht, jeder Brief und jede Rede verfügen über eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss. Auch einen Roman kann man nach diesem Muster aufbauen, und dies ist die Romanstruktur, die dir am meisten Freiräume lässt.

In der Einleitung beschreibst du das Setting deiner Geschichte. Ort und Zeit der Handlung, die Rahmenbedingungen und die Hauptfigur werden vorgestellt. Am besten passiert dies bereits eingebettet in einen ersten Konflikt, den du später noch einmal aufgreifen kannst. Nach der Einleitung muss dein Leser wissen, auf was er sich eingelassen hat.

Im Hauptteil entwickelst du die eigentliche Geschichte. Dein Held muss hier die Aufgaben lösen, die du ihm gibst, und Abenteuer lösen. Der Hauptteil geht kurz vorm Höhepunkt des Romans in den Schluss über.

Der Schluss deines Romans umfasst den Höhepunkt sowie die Auflösung deiner Geschichte. Dies kann ein Täter sein, der gefunden wurde, oder das Ergebnis einer Entwicklung, die deine Hauptfigur durchgemacht hat. Danach ist die Geschichte dann auch schon zu Ende.

Grundsätzlich geht man davon aus, dass Einleitung und Schluss zusammen etwa genau so lang sind wie der Hauptteil. Aber auch hier kannst du natürlich selbst experimentieren und schauen, was zu deiner Geschichte passt.

Romanstruktur in fünf Akten

Die Fünf-Akt-Struktur hat einen ähnlichen Aufbau wie die Drei-Akt-Struktur, sie ist nur spezifischer im Bezug auf Wendepunkte in der Geschichte. Sie stammt aus dem französischen Regeldrama und kann entsprechend in vielen Theater-Stücken entdeckt werden.

Die Einleitung umfasst auch hier die Beschreibung der Voraussetzungen der Geschichte sowie der Hauptfigur.

Im zweiten Akt, der Steigerung, erhöht sich die Spannung der Handlung. Die Konflikte verschärfen sich und deine Hauptfigur wird vor die ersten scheinbar unlösbaren Aufgaben gestellt.

Im dritten Akt findet die Geschichte ihren Höhepunkt. Für den Helden bedeutet dies das Gegenteil: Er ist am Tiefpunkt angelangt, es sieht nicht so aus, als ob er seine Probleme lösen könnte. Die Schwierigkeiten und Konflikte sind jetzt am größten.

Bevor die Geschichte im nächsten Akt zu Ende geht, kommt es zur Verlangsamung. Handlungen werden aufgeschoben, die Geschichte wird gefühlt langsamer, bis sie sich zum Ende des vierten Akts zu einer Katastrophe oder dem größtmöglichen Konflikt verdichten.

Die Auflösung als letzter Akt sorgt noch einmal für die Zuspitzung und schließlich die Lösung aller Konflikte.

Auch hier ist die Länge der einzelnen Akte von deren Beitrag zur Spannung der Geschichte abhängig. Akte, die wenig Spannung tragen (Verlangsamung, Auflösung nach dem letzten Konflikt) solltest du möglichst kurz halten, damit du deinen Leser nicht langweilst.

Sieben-Punkt-Struktur

Aus dem 3- und 5-Akter leitet sich die 7-Punkt-Struktur von Dan Wells ab. Einleitung und Schluss bleiben natürlich weiterhin bestehen, der Hauptteil ist jedoch deutlich weiter untergliedert.

Die Sieben-Punkt-Struktur ist wie folgt aufgebaut.

Der Aufhänger entspricht der Einleitung. Um ihn zu schreiben, musst du bereits die Auflösung, also den Schluss kennen. Da die 7-Punkt-Struktur sehr symmetrisch aufgebaut ist, muss der Aufhänger das Gegenteil der Auflösung sein. Und natürlich werden hier alle Rahmenbedingungen und die wichtigsten Figuren eingeführt.

Nach der Einleitung folgt der erste Wendepunkt der Geschichte. Der Haupt-Konflikt, der deine Story vorantreibt, wird hier vorgestellt. Deine Hauptfigur tritt in veränderte Bedingungen ein und das Abenteuer beginnt.

Nun folgt der erste Pinch oder Kniff. Etwas läuft schief, der Konflikt steigert sich und dein Held muss darauf reagieren. Er kann den Konflikt nicht lösen, wodurch die Situation noch verschärft. Die Spannung steigt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steigern sich Konflikte und Spannung weiterhin. Aus dem Reagieren wird nun proaktives Handeln, da die Lage immer schwieriger wird und sich die Figuren nicht mehr anders aus ihr befreien können.

Es kommt aber noch schlimmer, nämlich im zweiten Pinch oder Kniff. Die Figuren versuchen, den Konflikt zu lösen, was jedoch nicht gelingt. Die Aussichten auf Erfolg sind sehr gering, die Lage ist hoffnungslos, die Spannung am höchsten Punkt angelangt.

Im zweiten Wendepunkt gelingt der Hauptfigur endlich, etwas zu erlangen, was den Konflikt lösen wird. Dies kann Wissen sein, ein Gegenstand, den die Figuren gesucht hatten, oder auch eine neue Eigenschaft, die dein Protagonist während seines Abenteuers erlangt hat. Manchmal greifen auch andere Personen helfend in die Handlung ein; dies solltest du jedoch vorher schon angelegt haben.

Auch die 7-Punkt-Struktur schließt wie die beiden anderen Strukturen mit der Auflösung. Dein Held ist nun in der Lage, den Hauptkonflikt zu lösen und die Geschichte endet in Symmetrie und mit Bezug auf die Einleitung bzw. den Aufhänger.

Die Länge der einzelnen „Akte“ in der 7-Punkt-Struktur solltest du ebenfalls so anpassen, dass die spannendsten Teile am längsten sind. Grob lässt sich sagen, dass die einzelnen Abschnitt von außen nach innen länger werden sollten, Aufhänger und Schluss also am kürzesten sind.

Ich hoffe, die Tipps zur Romanstruktur sind hilfreich für dich!

Wie strukturierst du deinen Roman? Oder schreibst du einfach drauf los? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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