Egal, welchen Schreibratgeber man durchblättert, man findet zwei (sehr einfache und sehr wichtige) Tipps. Wer schreiben will, muss erstens lesen und zweitens schreiben. Genau wie im Sport muss man sein Talent trainieren.

Wer jedoch davon träumt, neben seinem Brot-und-Butter-Job einen Roman zu schreiben, sein Lese-Pensum aufrechtzuerhalten und außerdem regelmäßig mit Hilfe von Schreibübungen zu trainieren, stößt schnell an seine zeitlichen Grenzen. (Extra-Tipp von mir: Ich habe mich intensiv mit dem Thema Zeitmanagement auseinandergesetzt und lasse euch gerne an meinem Wissen teilhaben.)

Da auch ich Schreibübungen wir sinnvoll und wichtig halte, selbst aber immer wieder in Zeitnot gerate, habe ich eine ganze Reihe an Schreibübungen gesammelt und kreiert, mit denen man schon in fünf Minuten Erfolge erzielen kann.

Zehn Schreibübungen auf die Schnelle

Alle Schreibübungen dieses Artikels zielen auf eine von zwei Fertigkeiten ab: Kreativität und sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Ich habe die Übungen ausgewogen zusammengestellt, damit du dich nach deinen Bedürfnissen aus meinem Fundus bedienen kannst. Ich persönlich wechsle regelmäßig Übungen, trainierte Fertigkeit und auch die Dauer ab, weil ich finde, dass allein dieser Wechsel die Kreativität steigert.

Ein großer Vorteil der 5-Minuten-Schreibübungen ist, dass man den inneren Kritiker ausschaltet und einfach drauf los schreibt. Kein paralleles Lektorieren, keine Zweifel blockieren einen und ehe man sich versieht, hat man einen kleinen, aber feinen Text erstellt. Daher eignen sich alle Schreibübungen dieses Artikels auch wunderbar zum „warm werden“ vor einer längeren Schreibsession – ein bisschen wie Aufwärmübungen vorm Sport.

Übrigens: Für alle Übungen, bei denen du Material aus dem Internet brauchst, empfehle ich dir, dir im Vorfeld einen kleinen Vorrat an Texten und Bildern anzulegen. Dann setzt du dich beim Schreiben nicht der Ablenkung durchs Web aus.

Doch genug der Vorrede, hier sind meine liebsten schnellsten Schreibübungen.

1. Anfänge

Ziel: Kreativität

Natürlich fange ich mit dem Anfang an. Und jede Geschichte fängt mit einem ersten Satz an, auf den man gar nicht genug Fokus legen kann. Denn wenn man erreichen möchte, dass der Leser nach dem ersten Satz weiterliest, muss der erste einfach sitzen.

Erste Sätze zu schreiben ist gar nicht so schwierig, und diese Schreibübung besteht darin, genau das zu tun. Also: So viele erste Sätze schreiben, wie man in fünf Minuten schafft. Ziel ist es, einen Satz zu schreiben, nachdem man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Die ganze Geschichte muss man dafür nicht im Kopf haben.

In fünf Minuten kann man locker 5-6 erste Sätze schaffen. Wenn man diese Übung regelmäßig macht, hat man bald eine schöne Sammlung erster Sätze, die einen bei der nächsten Schreib-Session zu mehr inspirieren können.

In meinem ersten Blog leselink.de gibt’s eine ganze Kategorie zu besonders schönen ersten Sätzen. Hier kannst du dich inspirieren lassen, aber Vorsicht, nicht beim Stöbern die Zeit vergessen!

2. Romanstechen

Ziel: Kreativität

Den Titel Romanstechen habe ich mir ausgedacht und vom Bibelstechen abgeleitet. Für alle, die nicht wissen, was das ist, hier eine kurze Erklärung. Das Bibelstechen ist ein Brauch vor allem in christlichen Familien. Wenn man sich inspirieren lassen möchte oder Rat sucht. Man öffnet die Bibel an einer beliebigen Stelle, setzt mit geschlossenen Augen den Finger auf einen Vers und interpretiert diesen für sich und seine eigene Situation.

Romanstechen funktioniert so ähnlich. Man nimmt sich seinen Lieblingsroman (oder ein anderes Buch), schlägt mit geschlossenen Augen eine Seite auf und tippt mit dem Finger auf einen Satz. Nehmt diesen Satz als Ausgangsbasis und schreibt einen kompletten Absatz daraus, der nichts mit dem Roman zu tun hat. Nach fünf Minuten hörst du auf.

In dieser Schreibübung geht es nicht darum, besonders gut und ausgefeilt zu schreiben, sondern besonders schnell eine Idee kreativ auszuarbeiten.

3. Perspektivwechsel

Ziel: Kreativität

Ein guter Schriftsteller beherrscht viele verschiedene Perspektiven. Und genau darum geht’s in dieser Schreibübung. Man nimmt sich einen kurzen Text (egal woher, das Internet ist voll davon) und schreibt ihn aus einer ungewöhnlichen Perspektive neu – je absurder, desto besser. Das kann ein Fisch sein, der die Szene aus dem Wasser beobachtet, ein Außerirdischer, der zum ersten Mal auf unserem Planeten ist, oder eine Waschmaschine, die unbeachtet in der Ecke steht.

In dieser Übung geht es darum, von den logischen Gehirn-Arealen an die kreativen zu übergeben. Also gerade dann, wenn dir das „zu doof“ ist, ist diese Übung genau richtig für dich!

4. Mach’s besser

Ziel: Sprachliche Ausdrucksfertigkeit

Auch für diese Schreibübung brauchst du einen kurzen Text, und zwar einen schlechten. Hervorragend eignen sich Kommentare zu streitbaren Themen bei spiegel.de oder zeit.de. Wenn du einen solchen Text gefunden hast, ist es deine Aufgabe, ihn in fünf Minuten so weit wie möglich zu verbessern.

Diese Übung macht besonders viel Spaß, wenn man sich oft darüber ärgert, dass viele Menschen die Anonymität des Internets nutzen, um ungestört rummotzen zu können. Wenn man einen solchen Text in ein sprachliches Meisterwerk verwandelt hat, geht’s einem schon wieder besser.

5. Synonyme

Ziel: Sprachliche Ausdrucksfertigkeit

Such dir einen Alltagsbegriff und finde so viele Synonyme wie möglich dafür (Beispiel: Geld – Kohle, Zaster, Moneten). 5 Minuten sind dafür reichlich Zeit, und wenn du das nächste Mal in einer Kurzgeschichte immer wieder denselben Begriff verwendest, wirst du dich hoffentlich an die Übung erinnern.

6. Gestern ohne r

Ziel: Sprachliche Ausdrucksfertigkeit

In dieser Übung geht es darum, nicht immer den ersten Begriff zu verwenden, der einem in den Sinn kommt. Die Aufgabe ist, den eigenen gestrigen Tag zu beschreiben, ohne dabei den Buchstaben r zu verwenden. Wie leicht das sein kann, siehst du an diesem Satz. Wenn das r für den Anfang zu schwierig ist, kannst du auch s, a oder t nehmen. Und wer eine richtige Herausforderung will, darf gerne mal das e probieren!

7. Postkarten-Geschichten

Ziel: Kreativität

Ein Bild kann tausend Geschichten erzählen, und in dieser Schreibübung sollst du das übernehmen. Nimm eine Postkarte (oder ein Bild aus dem Internet) und erzähle in fünf Minuten, wie dieses Bild entstanden ist, wer dabei war und was vorher und nachher geschah. Diese Übung ist besonders anregend, weil sie bildliche und sprachliche Kreativität miteinander verknüpft.

8. Das bin Nicht-Ich

Ziel: Sprachliche Ausdrucksfertigkeit

Beschreibe dich oder eine andere Person, allerdings als genaues Gegenteil von dir oder dieser Person. Die Schwierigkeit besteht darin, das Ganze so überzeichnet zu machen, dass jedem, der den Text liest, klar wird, wer definitiv nicht gemeint war.

9. Atemlos

Ziel: Kreativität

Stell dir die Stoppuhr oder dein Handy auf fünf Minuten und dann schreibe einen Satz über all das, was dir gerade im Kopf herumgeht. Benutze keine Satzzeichen, achte nicht auf Grammatik und Rechtschreibung, sondern lass alles einfach aus dir herausfließen. Du wirst erstaunt sein über das Ergebnis.

Diese Schreibübung ist besonders gut geeignet, um Blockaden zu lösen, weil du den inneren Kritiker in die Pause schickst.

10. Immer nur einmal

Ziel: Sprachliche Ausdrucksfertigkeit

Schreibe fünf Minuten lang einen kurzen Text über deinen letzten Arbeitstag, deine letzte Reise oder deinen letzten Geburtstag. Du kannst das Thema absolut frei variieren. Wichtig ist nur, dass jedes Wort (wirklich jedes, auch Artikel) nur ein einziges Mal vorkommen darf! Du wirst sehen, wie sehr du auf die Suche nach alternativen Ausdrücken gehen musst, wenn die Wörter Stück für Stück „verbraucht“ sind.

 

Haben dir die Schreibübungen geholfen? Welche hat dir besonders gefallen? Welche Übungen kannst du empfehlen?


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