Viele berühmte und erfolgreiche Schriftsteller führen Tagebuch. Einige dieser Tagebücher sind sogar veröffentlicht worden. Die bekanntesten sind wahrscheinlich die von Max Frisch, die du vielleicht auch in der Schule kennengelernt hast. Warum sind all diese Autoren sich einig, dass man ein Tagebuch führen sollte?

Vielleicht hast du als Kind oder Jugendlicher Tagebuch geführt und stellst dir vor, wie du abends einem Buch die Erlebnisse des Tagebuchs anvertraust. Natürlich ist auch das ein Teil dieser Tätigkeit. Aber Tagebuch führen bedeutet noch viel mehr, dass man selbstreflektiert seine innersten Gedanken aufschreibt. Das ist natürlich vielmehr als nur die reine Beschreibung des eigenen Tagesablaufs.

Ich selbst führe seit einigen Jahren (wieder) Tagebuch. Über die Gründe habe ich mir lange Zeit keine großen Gedanken gemacht. Es war einfach Teil meines Tags. Aber ich habe schnell gespürt, welche Vorteile das tägliche Schreiben mit sich bringt, und habe für dich hier sechs Gründe zusammengestellt, warum auch du ein Tagebuch führen solltest.

Sechs Gründe, warum du als Autor Tagebuch führen solltest

Grund 1: Du trainierst deine Schreibfertigkeiten

Wer schreiben lernen will, muss schreiben. Das kann man durch regelmäßige Arbeit an eigenen Texten, durch Schreibübungen, aber eben auch durch das Führen eines Tagebuchs. Wenn du täglich ein paar Notizen nur für dich machst, wirst du experimentierfreudiger sein, mit der Sprache spielen und daran lernen. Denn schließlich brauchst du dir keine Gedanken zu machen, dass jemand anderes diese Texte liest – dein Tagebuch ist nur für dich gedacht.

Diese nahezu grenzenlose Freiheit beim Schreiben eines Tagebuchs führt dazu, dass du automatisch mit jedem Eintrag besser wirst, und das ganz ohne Regeln und vorgeschriebene Übungen. Du kannst dir das vorstellen wie auch bei anderen Fertigkeiten, die du durch Üben erlernst: Wenn du jeden Tag für dich allein mit neuen Gemüse-Sorten und exotischen Gewürzen experimentierst, werden deine Kochkünste auch automatisch besser.

Grund 2: Du bleibst im Fluss

Routine sorgt dafür, dass das Schreiben den Stellenwert in deinem Leben einnimmt, den es verdient. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, ist das gar nicht so einfach. Ich habe einige Zeit gebraucht, um meinen Tag wirklich so aufzubauen, dass ich regelmäßig schreibe. Wenn du Tagebuch führst, wird das um einiges leichter, denn

  • Du brauchst keine technischen Hilfsmittel. Während ich für meinen Roman immer am Rechner schreibe, weil meine Finger meinen Gedanken dort viel besser hinterherkommen, führe ich das Tagebuch mit Heft und Stift. Die Vorbereitungszeit ist also entsprechend gering.
  • Du hast immer ein Thema. Es geht um dich und deine Gedanken, also musst du nicht erst überlegen, worüber du schreibst, sondern kannst direkt loslegen.
  • Ein paar kurze Notizen reichen für ein „Erfolgserlebnis“. Beim Tagebuchschreiben hat man nie das Gefühl, zu wenig geschrieben zu haben.

Insofern hilft dir das Führen eines Tagebuchs dabei, wirklich täglich zu schreiben und dem Schreiben damit einen festen Platz in deinem Tagesablauf zu sichern.

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Grund 3: Du vergisst nichts mehr

Wenn du dein Tagebuch wie ich immer bei dir trägst, kannst du Dinge, die du unterwegs siehst, oder Ideen, die dir einfallen, sofort festhalten. Du nutzt dein Tagebuch damit ein bisschen wie ein Notizbuch. Abends kannst du dann, wenn es sich anbietet, deine Notizen vom Tag aufbereiten und so ausformulieren, dass du auch ein paar Wochen später weißt, was du gemeint hast.

Damit sind dann die Zeiten vorbei, in denen du dich darüber ärgerst, eine tolle Idee nicht mehr reproduzieren zu können.

Grund 4: Du hältst deine Erinnerungen fest

Du kannst dein Tagebuch natürlich nicht nur schreiben, sondern auch jederzeit wieder lesen. Das eröffnet dir ganz neue Einsichten in dein Erleben. Wenn ich Tagebucheinträge lese, die einige Jahre zurückliegen, erinnere ich mich natürlich meistens noch an das betreffende Ereignis, meine Gedanken dazu haben sich im Nachhinein aber häufig geändert. Manches sehe ich vielleicht heute nicht mehr so ernst, anderes im Nachhinein vielleicht sogar ernster.

Und so hält das Tagebuch auch deine persönliche Entwicklung fest, die du an Hand deiner eigenen Worte noch Jahre später nachvollziehen kannst – und die dich sicher das ein oder andere Mal staunen lassen wird. Denn indem du ein Tagebuch führst, erstellst du eine Chronik deines Lebens, deiner Gedanken und deiner Gefühle. Und diese Chronik kannst du immer wieder herausnehmen und lesen.

Grund 5: Du schulst deinen Blick für kleine Beobachtungen

Tagebuch führen heißt, alles aufschreiben, was um dich herum passiert. Wenn du mit dem täglichen Schreiben beginnst, wird dir vielleicht noch gar nicht so viel auffallen. Je öfter du aber zu deinem Tagebuch greifst und dir darin deine alltäglichen Beobachtungen notierst, desto genauer wird dein Blick auf deine Umgebung. Die Harmonie, in der Vogelgezwitscher und Disco-Bässe sich frühmorgens am Wochenende über der Stadt zu einer einzigen Melodie verbinden? Das ist doch etwas fürs Tagebuch. Eine Frau, deren Gesicht sich aufhellt, weil sie jemanden sieht, der offensichtlich direkt hinter dir geht, und die Sekunden, in denen du glaubst, sie meint dicht? Auch das kannst du direkt aufs Papier bringen.

Es sind diese scheinbaren Kleinigkeiten, mit denen du dein Tagebuch füllen wirst und die sehr schnell zu einer Quelle von Inspirationen werden, die du kombinieren und in deine Texte einfließen lassen kannst.

Grund 6: Es macht Spaß

Dies ist für mich fast der wichtigste Grund: Das Führen eines Tagebuchs macht Spaß. Wer einen Roman oder ein Sachbuch schreiben möchte, hat normalerweise Freude an Worten und Texten. Diese Leidenschaft ganz für sich selbst auszuleben, ein bisschen zu experimentieren, das eigene Leben zu reflektieren und damit eine wichtige Erinnerungsquelle zu schaffen, ist eine wunderbare Beschäftigung, die dir ganz viele neue Einsichten verschaffen – in dich selbst, deine Gedanken und Gefühle und deine Sicht auf die Welt.

Wenn dir Schreiben Spaß bereitet, dann in jedem Fall auch das Führen eines Tagebuchs. Irgendwann wird es zu deinem treuen Begleiter, dem du gerne deine Beobachtungen, Ideen und Gedanken mitteilst. Und das du immer wieder gerne zur Hand nimmst, um darin zu blättern und zu erfahren, was du früher einmal gedacht hast.

Ich freue mich, wenn ich dich überzeugt habe, auch ein Tagebuch zu führen.

Wie hältst du es mit dem Tagebuch? Führst du bereits eins? Hast du Tipps für uns?

 

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