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Du hast deinen Roman oder deine Kurzgeschichten geschrieben und bist nun bereit, vor ein Publikum zu treten? Deine erste (oder vielleicht auch zweite, dritte, …) Lesung steht an? Herzlichen Glückwunsch! In diesem Artikel habe ich dir ein paar Tipps zusammengestellt, wie aus deiner Lesung ein voller Erfolg wird. Denn die Fähigkeiten, die du brauchst, um einen Roman zu schreiben, sind leider ganz andere als die, die eine Lesung gelingen lassen.

Warum überhaupt eine Lesung?

Eine Lesung ist für Autor*innen ganz klar eine Marketing-Veranstaltung. Hier kannst du dein Buch interessierten Menschen vorstellen, du kannst ihre Fragen beantworten und so intensiv über deinen Roman erzählen, wie du es sonst nie tun kannst. So kannst du auf ganz persönliche Weise viele Leser*innen von deinem Buch überzeugen, und das sehr direkt. Auf Lesungen werden häufig auch Bücher gekauft, die du dann signieren kannst. Auf diese Weise wird dein Buch nicht nur zum Lesevergnügen, sondern zu einer persönlichen Erinnerung an einen gelungen Abend.

 

Wenn du selbst eher introvertiert bist und nicht gerne vor ein Publikum trittst, ist der Gedanke an eine Lesung für dich vielleicht nicht besonders verlockend. Aber keine Angst. Ein besseres Publikum als das bei deiner eigenen Lesung wirst du nicht finden. Schließlich haben diese Menschen sich bewusst dafür entschieden, Zeit (und häufig auch Geld) zu investieren, um dich und dein Buch näher kennenzulernen. Außerdem erhältst du auf solchen Veranstaltungen wertvolles und meist wertschätzendes Feedback zu deinen Texten. Und auch als Schriftsteller*in ist es sinnvoll, hin und wieder das Schneckenhaus zu verlassen und sich unter Menschen zu begeben. In diesem Fall sogar unter Menschen, die deine Literatur fast genauso lieben wie du.

5 Tipps, wie deine Lesung ein Erfolg wird

Am meisten lernt man aus Fehlern, und viele der folgenden Tipps habe ich nach dem Besuch der schlimmsten Lesung, auf der ich je war, entwickelt. Sie fing zu spät an, weil noch nicht alle Beteiligten anwesend waren, eine Dolmetscherin wurde direkt an der Toilettentür (die sich neben der Bühne befand) abgefangen und quasi vors Publikum geschleift und am Ende stürmte eine Zuschauerin die Bühne, die sich durch die vorgetragene Geschichte an eine Klatsch-Story aus ihrem Viertel erinnert fühlte – die sie natürlich nun den Zuschauer*innen zum Besten geben musste. Den Rest habe ich nicht mehr mitbekommen, weil die Lesung zu diesem Zeitpunkt bereits zwanzig Minuten überzogen hatte und ich zu meiner nächsten Veranstaltung musste.

Wenn du die folgenden Tipps berücksichtigst, kann dir ein solches Chaos nicht passieren. Und wenn doch etwas schiefgeht, lernst du zumindest etwas fürs nächste Mal.

Erfülle die Erwartungen deines Publikums

Wahrscheinlich wird deine Lesung für die meisten Menschen im Publikum nicht die erste sein. Daher solltest du deine eigene Veranstaltungen an bestimmten Standards orientieren und mögliche Erwartungen dadurch erfüllen. Typischerweise werden 2-3 Abschnitte aus dem Buch vorgelesen (von dir) und davor und dazwischen ein wenig erzählt. Die vorgelesenen Passagen sollten etwa 10 bis 15 Minuten lang sein, damit man sich gut darauf konzentrieren und gleichzeitig einen guten Eindruck von der Literatur erlangt. Wenn du im Rahmen einer größeren Veranstaltung liest und weniger Zeit hast, lies am besten eine Passage weniger. Das ist besser, als die einzelnen Ausschnitte zu kürzen.

Ein typischer Ablauf für einen Lese-Abend ist:

  • Begrüßung, einleitende Worte zum Buch (etwa 10 Minuten)
  • Einordnung erste Passage, Vorlesen (etwa 15 Minuten)
  • freies Gespräch (etwa 20 Minuten)
  • Einordnung zweite Passage, Vorlesen (etwa 15 Minuten)
  • freies Gespräch (etwa 20 Minuten)
  • Einordnung dritte Passage, Vorlesen (etwa 15 Minuten)
  • freies Gespräch, Abschluss (etwa 15 Minuten)

Wenn du dich an diesen Ablauf hältst, kommst du auf knapp zwei Stunden Veranstaltungsdauer, was absolut ausreichend ist. Länger sollte der Abend nicht gehen, weil dein Publikum irgendwann unruhig wird.

Um die Zeit wirklich gut abschätzen zu können, solltest du deine Passagen zuhause (natürlich!) proben, und zwar mit der Stoppuhr. Lies langsam und laut und am besten vor Freund*innen oder Verwandten. Du musst bereits im Vorfeld ein passendes Lesetempo und ein optimales Stimmvolumen finden, um dein Publikum gut zu erreichen.

Am besten legst du dir während der Lesung eine Uhr auf den Tisch vor dir, wenn es einen Tisch gibt. Alternativ solltest du dich nach einer Uhr im Raum umschauen. Denn zu den Erwartungen deiner Zuhörerschaft zählt auch, dass du die Zeit im Griff hast und einzelne Veranstaltungsteile nicht endlos ausdehnst oder gar überziehst. Und selbstverständlich musst du pünktlich an deinem Platz sitzen.

Zu den freien Gesprächsphasen des Abends findest du mehr unter dem nächsten Punkt.

Lass deine Lesung moderieren – und nicht von irgendwem

Deine Aufgabe an diesem Abend ist es, dein Buch vorzustellen. Das bedeutet, du sollst dich aufs Lesen konzentrieren und darauf, etwas Interessantes über das Buch oder über dich zu erzählen. Das gelingt dir am besten, wenn du nicht zusätzlich durch den Abend führen musst. Suche dir eine Person, der du vertraust und die Erfahrung damit hat, vor größeren Gruppen zu sprechen. Außerdem sollte sie selbstverständlich dein Buch gelesen haben. Perfekt ist es, wenn ihr euch gut kennt und euch mögt. Dann werden die Gespräche auch für das Publikum persönlicher, näher und damit spannender.

Frage am besten einen guten Freund oder eine gute Freundin, ob sie die Veranstaltung nicht für dich moderieren möchte. Dann fühlst du dich direkt wohler und sicherer und die Gespräche zwischen euch werden das Publikum mitreißen. Im letzten Teil könnt ihr dann sogar das Publikum einbeziehen und Fragen stellen lassen. Erfahrungsgemäß trauen sich Zuschauer*innen umso eher, etwas zu fragen, je näher sie den Vortragenden vorher gekommen sind. Und das geht in vertrauter Atmosphäre einfach am besten.

Bei manchen Lesungen tun sich zwei oder mehr Schriftsteller*innen zusammen, lesen nacheinander aus ihren Büchern vor und übernehmen gegenseitig die Moderation füreinander. Auch wenn ich verstehe, dass man so eventuell ein größeres Publikum erreichen kann, halte ich das für keine gute Idee. Die Gründe dafür sind folgende:

  • Das Publikum möchte wissen, welche Veranstaltung es besucht. Wenn zwei verschiedene Bücher vorgestellt werden, müssen diese einen sehr engen gemeinsamen Nenner haben (zum Beispiel „Literatur über die Beatles“ o.ä.). Schlimmstenfalls interessiert sich ein Teil der Zuhörer*innen nicht für das, was gerade auf der Bühne passiert. Das wirkt sich auch auf die Atmosphäre beim Lesen aus.
  • Jemand, der sein eigenes Buch vorstellen möchte, ist kein guter Moderator für dein Buch. Er oder sie wird ganz automatisch zum eigenen Buch zurückkehren, eventuell unbewusst vergleichen oder einfach nicht die richtigen Fragen stellen. Das geschieht nicht in böser Absicht, sondern ist ganz natürlich. Schließlich ist diese Person auch dort, um ein eigenes Buch vorzustellen, und deswegen aufgeregt. Alle anderen Aufgaben treten dahinter zurück.
  • Wer gut schreibt, kann nicht unbedingt gut moderieren. Wenn du dich mit anderen Schreibenden unterhältst, sprichst du in erster Linie über das Schreiben. Deine Leser*innen interessieren sich aber für andere Themen. Ein guter Moderator oder eine gute Moderatorin kann dir dabei helfen, die für das Publikum wirklich interessanten Fragen zu stellen.

Wenn du die perfekte Moderation gefunden hast, kannst du ihm auch ein paar Anregungen zu Fragen geben. Typischerweise wird nach einzelnen Figuren, nach Ideen und Gedanken, die du beim Schreiben hattest, sowie nach zentralen Themen des Romans gefragt. Auch literarische Vorbilder oder Bezüge zu deinem eigenen Leben könnt ihr gut diskutieren.

Lass dich im Hintergrund unterstützen

Die eigentliche Lesung findet natürlich auf der Bühne statt. Daneben gibt es aber etliche organisatorische Dinge, um die sich jemand kümmern muss. Hältst du eine erste kleine Lesung, wird wahrscheinlich kein großer Veranstalter hinter dir stehen. Das bedeutet, du musst dich um viele Dinge selbst kümmern. Damit du dich dennoch während des Abends selbst auf das Lesen konzentrieren kannst, solltest du jemanden mitbringen, der Augen und Ohren offen und dir den Rücken frei hält.

Dinge, die diese Person können, sind zum Beispiel:

  • Gästen helfen, wenn sie die Toilette oder etwas zu trinken suchen, damit es möglichst ruhig im Publikum bleibt.
  • Bei technischen Problemen Hilfe holen.
  • Wenn es im Publikum lauter wird, nach der Ursache suchen und mögliche Probleme lösen.
  • Die Uhr im Blick behalten und dich gegebenenfalls auf die Zeit aufmerksam machen.

Schaffe die perfekte Atmosphäre

Wenn du dein Buch vorstellst, möchtest du sicher, dass dein Publikum offen und empfänglich für deine Ideen ist. Dies kannst du positiv beeinflussen, indem du die Atmosphäre gestaltest. Du kannst beispielsweise Bilder am Veranstaltungsort aufhängen, die etwas mit deinem Buch zu tun haben, oder bei den angebotenen Getränken darauf achten, dass sie im Zusammenhang mit der Lesung stehen.

Eine schöne Idee ist auch, Musik abzuspielen, während das Publikum in den Saal kommt. Dadurch entsteht direkt eine besondere Stimmung.

Die Atmosphäre gestaltest du natürlich auch dadurch, wie du auf Fragen reagierst und wie du mit dem Publikum interagierst. Sei am besten offen und nahbar. Das bedeutet jedoch nicht, dass du für alles zur Verfügung stehen musst. Stellt jemand eine unverschämte Frage, kannst du darauf entsprechend reagieren. Du kannst zum Beispiel sagen: „Diese Frage ist für mich in diesem Zusammenhang nicht angemessen“ und zur nächsten Frage übergehen.

 

Wenn jemand im Publikum die Chance nutzt, einen kleinen Vortrag über sein Literaturwissen zu halten, statt eine Frage an dich zu stellen, wird dein Moderator bzw. deine Moderatorin das hoffentlich eindämmen. Ansonsten kannst du auch ruhig, aber bestimmt auf den Sinn des Abends verweisen.

Genieße die Lesung

Eine Lesung ist etwas Besonderes. Und etwas Schönes. Ganz viele Menschen kommen, um dich kennenzulernen und etwas von deinem Buch zu hören. Also solltest du diesen Abend oder Nachmittag auch genießen. Alle Dinge, die du vorher im Kopf hattest, dürfen gerne verschwinden, sobald dein Name angekündigt wird.

Ich hoffe, diese Tipps konnten dir helfen. Welche Erfahrungen hast du mit Lesungen gemacht?

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