Wenn du eine Geschichte erzählst, hast du sehr wahrscheinlich ein genaues Bild vor Augen. Und zwar von allem: von den Figuren, dem Setting, der Dynamik. Vor deinem inneren Auge läuft ein Film ab, wenn du an deine Story denkst. Und genau dieser Film soll auch bei deinen Lesern im Kopf landen. Hierfür brauchst du Beschreibungen.

Das klingt einfach, aber ist eine der schwierigsten Dinge beim Schreiben überhaupt. Denn dein Text steht zwischen deiner Vorstellung und der deiner Leser. Und während du den Film in deinem Kopf zu Papier bringst, legst du dabei oft deine eigenen Rahmenbedingungen zu Grunde, die der Leser aber vielleicht gar nicht kennt. Du blendest Dinge aus, die du für selbstverständlich hältst. Und am Ende kommt von deinem Kino-Blockbuster im Kopf nur ein verwackeltes Handy-Video an.

Wenn du erreichen möchtest, dass deine Leser das Gleiche vor Augen haben wie du, wenn sie dein Buch lesen, musst du daf

ür sorgen, dass deine Beschreibungen lebhaft und detailliert sind. Wie das geht, verrate ich dir in den folgenden fünf Tipps. Wenn du sie befolgst, werden deine Beschreibungen nicht nur besser, es wird deinen Lesern auch mehr Spaß machen, sie regelrecht zu verschlingen.

Um auch die Beschreibung der Beschreibung lebhafter zu machen, werde ich eine Beispiel-Szene immer weiter fortführen. Dies ist die Ausgangssituation der Szene:

Mario, 24, hat seinen ersten Arbeitstag als Referendar nach dem Lehramtsstudium. Er hat eine Stelle an einem Internat mit mehr als 1.000 Schülern angenommen, obwohl er während seines Pflicht-Praktikums nur an einer sehr kleinen Schule unterrichtet hat. Nun betritt er seinen Klassenraum zum ersten Mal – allein. Der Klassenlehrer, der ihn einarbeiten sollte, ist heute krank.

Lebhafte Beschreibungen: Mit diesen 5 Tipps klappt’s

Tipp 1: Sprich alle fünf Sinne an.

Unser am besten ausgeprägter und am häufigsten eingesetzter Sinn ist der Seh-Sinn. Wenn wir eine Sache, eine Situation oder eine Person beschreiben, fangen wir automatisch mit dem an, was wir sehen können. Lebhafte Beschreibungen gehen aber über das Sehen hinaus. Sie beziehen auch unsere anderen Sinne ein – hören, riechen, schmecken und fühlen. Wenn du möchtest, dass dein Leser sich fühlt, als wäre er selbst in der Situation deiner Figur, solltest du mehr als nur das Auge ansprechen. Nicht in jeder Szene ist es sinnvoll, alle fünf Sinne anzusprechen. Das wirkt auch schnell überzogen. Aber wenn deine Hauptfigur einen Rotwein trinkt, solltest du deinen Leser wissen lassen, wie er schmeckt, wenn er zu Musik tanzt, muss auch dein Leser erfahren, wie sie sich anhört.

Lassen wir Mario also seinen „ersten Schultag“ mit zumindest vier der fünf Sinne erleben.

Mario atmete tief durch, öffnete die Tür und betrat die Klasse. Er hatte erwartet, dass die Schüler – so wie er früher – sofort zu ihren Tischen gehen und warten würden, was er zu sagen hatte. Aber kaum einer drehte auch nur den Kopf zu ihm. Dreißig 14jährige Jungen und Mädchen saßen auf Fensterbänken, Tischen und auf dem Boden – nur nicht auf den Stühlen. Sie riefen laut durcheinander, lachten und johlten. In der Klasse hing ein Geruch nach Schweiß wie ihn nur Jugendliche haben können, die noch nicht wissen, dass ihre Körper langsam anfangen zu riechen. Mario wollte gerade die Schüler zur Ordnung rufen, als er von hinten angerempelt wurde. „Hey, nicht zu spät!“ rief der Junge, der ihn fast umgerannt hatte, und fiel dann seinen Freunden um den Hals. Mario nahm erneut tief Luft, auch wenn das beim Geruch im Klassenraum alles andere als angenehm war. Das hatte er sich leichter vorgestellt.

Tipp 2: Bringe Emotionen ins Spiel.

Wenn du möchtest, dass dein Leser sich deiner Figur nah fühlt und die Situation, in der sie sich befindet, nachempfinden kann, zeige, welche Emotionen sie auslöst. Denn über Gefühle kann dein Leser viel unmittelbarer eine Beziehung zu deiner Figur aufbauen und deine Beschreibungen auch besser einordnen.

Unsere Beispiel-Szene könnte zum Beispiel so weitergehen:

Mario fühlte sich nicht leicht überfordert, aber dies hier schien doch eine Nummer zu groß für ihn. Er war ja selbst kaum älter als die Schüler – wie sollte er sie dazu bringen, ihn als Autoritätsperson wahrzunehmen? Fliehen war keine Option, auch, wenn er  sich am liebsten umgedreht hätte und weggerannt wäre.

Tipp 3: Sei genau und detailliert.

Beschreibungen werden lebhafter, wenn sie genauer sind. Keine Sorge, du sollst keinen Polizei-Bericht schreiben. Aber auch, wenn du bei dem Wort „Auto“ eine sehr genaue Vorstellung hast, wird sie sehr wahrscheinlich von der Vorstellung deiner Leser abweichen. Also solltest du, wenn das Auto eine Rolle spielt, zumindest von einem roten Toyota oder einem weißen Boxster sprechen. So stellst du sicher, dass das Bild in deinem Kopf mit dem im Kopf deiner Leser möglichst überein stimmt.

Mario könnte zum Beispiel, um die Aufmerksamkeit der Schüler zu erlangen, etwas an die Tafel schreiben – dieses Mal möglichst genau beschrieben.

„Wenn sie mich als Lehrer wahrnehmen sollen, muss ich mich wie ein Lehrer benehmen“, dachte Mario und ging in Richtung Tafel. Er setzte seine Ledertasche neben das Lehrerpult und nahm den verstaubten Schwamm in die Hand, vorsichtig darauf bedacht, seinen für diesen Tag extra gekauften Kaschmir-Pullover nicht einzustauben. Er verschmierte die Tafel eher als dass er sie frei wischte, und schließlich setzte er mit einem Stummel Kreide, der zwischen seinen Fingern in die letzten Brocken zerbröselte die fünf Buchstaben seines Namens an die Tafel: B A U E R.

Tipp 4: Finde das treffendste Wort.

Man kann schlendern, rennen, laufen, schleichen, humpeln und vieles mehr. Alles ist genauer als „gehen“. Wenn du deinen Lesern lebhafte Beschreibungen bieten willst, musst du immer das treffendste Wort suchen. Dies trifft vor allem auf Verben zu. Dynamische Verben lösen ganz andere Bilder aus statische. Ich kann zum Beispiel schreiben, dass es in der Küche drei Pizzen gibt. Das ist sehr allgemein und daher ganz sicher nicht das treffendste Wort. Besser wäre, wenn die Pizzen in der Küche stehen, noch besser, wenn sie darauf warten, dass sie gegessen werden.

Dieser Tipp ist vor allem etwas für die Überarbeitung deiner Texte. Im ersten Entwurf schreibt man manchmal Worte, die weniger treffend sind oder sehr allgemein. Dies kannst du später mit etwas Abstand herausfinden und ändern.

Marios Leiden in der Schule geht natürlich weiter. Die Worte sind jetzt so gewählt, dass sie möglichst treffend sind.

„Guten Tag“, krächzte Mario, die Stimme vom Kreidestaub aus dem Schwamm belegt. Keine Reaktion, das Geschrei der Pubertierenden steigerte sich sogar noch. Niemand hatte Mario wahrgenommen. Er hustete und setzte erneut an. „Guten Morgen!“ Drei, vier Köpfe drehten sich müde zu ihm um, der Lärm ebbte jedoch keineswegs ab.

Tipp 5: Nutze Vergleiche. Aber nur gute!

Vergleiche helfen, ein Bild vor Augen entstehen zu lassen. Sie sind am besten, wenn man gar nicht merkt, dass sie einem Zweck dienen. Deswegen solltest du Vergleiche mit Bedacht einsetzen. Nutze keine stereotypen Bilder („Er rannte wie ein geölter Blitz.“) und setze Vergleiche nicht um jeden Preis ein. Manchmal ist eine Situation dem Leser so klar, dass man kein Bild dafür braucht. Dann solltest du auch keins nutzen. Ein Beispiel hierfür habe ich kürzlich in Hanya Yanagiharas Bestseller „EIn bisschen Leben“ gefunden. Sie beschreibt zwei Kissen, die noch vom Schlafen eingedrückt sind, folgendermaßen: „beide leicht eingedrückt, so als hätte jemand die Unterseite eines Löffels durch eine Schale voll dicker Sahne gezogen“. Dieses Bild ist eher störend, da man eigentlich schon eine klare Vorstellung von den beiden Kissen hat und sich nun das Bild zusätzlich vorstellen muss.

Zum Abschluss gönnen wir Mario aber auch noch einen Vergleich:

Mario schloss die Augen und zählte bis zehn. Er musste die Situation unter Kontrolle bringen, sonst wäre er das gesamte Jahr nur der Referendar, der sich nicht durchsetzen kann. Er nahm den Kreiderest und zog ihn in einem gekonnten Winkel so über die Tafel, dass ein Geräusch entstand, als würde ein ICE nach einer Vollbremsung stehen bleiben. Die Aufmerksamkeit der Jugendlichen war ihm nun sicher.

Ich freue mich, wenn dir diese Tipps geholfen haben, bessere Beschreibungen zu verfassen.

Hast du auch Tipps, wie Beschreibungen lebhafter werden? Dann gerne her damit!

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