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Mittlerweile ist es überhaupt kein Problem mehr, ein Buch selbst zu veröffentlichen, statt sich einen Verlag zu suchen. Neben den klassischen Verlagen gibt es mittlerweile viele verschiedene Selfpublishing-Anbieter, die es dir ganz leicht machen, dein Buch genauso zu veröffentlichen, wie du es möchtest.

Warum überhaupt Selfpublishing?

Gerade in seinen Anfangszeiten hatte Selfpublishing keinen besonders guten Ruf. Viele dachten, dass hier nun ungebremst einfach alles gedruckt würde, was jemandem in einer schlaflosen Nacht eingefallen war. Und ja, als Selfpublisher*in hast du (erst mal) kein Lektorat und keine professionelle Cover-Gestaltung. Niemand filtert die Bücher, die veröffentlicht werden. So hält sich das Vorurteil, dass Selfpublishing etwas für Autor*innen ist, die „keinen Verlag finden“.

Das ist meiner Meinung nach eine ziemlich arrogante und auch vereinfachte Sicht. Es gibt so viele bekannte und sehr erfolgreiche Autor*innen, die lange Zeit keinen Verlag gefunden haben. Joanne K. Rowling gehört ebenso dazu wie Astrid Lindgren, die lange nach einem Verlag für Pippi Langstrumpf suchte. Der Marsianer von Andy Weir, später mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt, ist zunächst als E-Book bei Amazon im Selbstverlag erschienen. Bei keinem der Beispiele lag dieses „keinen Verlag finden“ daran, dass die Geschichten schlechter oder die Autor*innen weniger begabt gewesen wären. Es gibt nur eben keine Zauberformel, mit der Verlage sofort die vielversprechendsten Manuskripte herausfiltern können. Häufig gelangen gerade unverlangt eingesendete Manuskripte gar nicht bis ins Lektorat, sondern werden schon vorher aussortiert.

Ich betrachte die Arbeit ohne Verlag eher wie Freiberuflichkeit im Vergleich zu einer Festanstellung. Wer freiberuflich arbeitet, muss viele Dinge selbst machen, die sonst jemand anderes macht (zum Beispiel Buchhaltung, Einkauf, das Büro sauberhalten), dafür hat man aber auch viel mehr Entscheidungsfreiheit. Auch ein Verlag nimmt einem viele Aufgaben ab. Aber es ist bei fast allen davon auch möglich, sie selbst zu machen oder andere damit zu beauftragen. Dadurch wird ein Buch nicht besser oder schlechter. Es kommt nur auf einem anderen Weg in den Markt.

Was spricht also für Selfpublishing?

Aus meiner Sicht sind das vor allem die folgenden drei Gründe:

  1. Du kannst dein Buch viel schneller veröffentlichen. Von der Fertigstellung bis zur Lieferbarkeit dauert es nur ein paar Stunden bis Tage.
  2. Pro Buch verdienst du mehr. Deine Marge kannst du im Selfpublishing selbst bestimmen. In jedem Fall liegt sie deutlich höher als bei einer Verlagsveröffentlichung, weil aus dieser Marge sonst ja alle Leistungen des Verlags bezahlt werden.
  3. Du kannst alles selbst entscheiden. Natürlich bedeutet das im Umkehrschluss, dass dir an manchen Stellen Beratung und Unterstützung fehlen.

Die wichtigsten Anbieter für Selfpublishing

Wenn du selbst überlegst, einen Roman oder einen Ratgeber im Selfpublishing herauszugeben, musst du dich zunächst für einen Publisher entscheiden. Mittlerweile gibt es viele verschiedene auf dem Markt, die alle unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Ich habe die wichtigsten für dich zusammengestellt.

Amazon KDP (Kindle Desktop Publishing)

Amazon bietet für Autor*innen einen eigenen Selfpublishing-Service an. Ursprünglich konnten hier nur E-Books für den Amazon Kindle veröffentlicht werden. Mittlerweile kannst du jedoch mit wenig Mehraufwand auch als Taschenbuch veröffentlichen (was ich immer empfehlen würde). Das Ganze ist kostenlos und Amazon KDP finanziert sich nur darüber, dass sie an deinen Verkäufen mitverdienen.

Der Anmmeldeprozess ist etwas umfangreicher als bei anderen Anbietern, da Amazon ein US-amerikanisches Unternehmen ist und du auch Informationen für die amerikanischen Steuerbehörden zur Verfügung stellen musst. Im Internet finden sich hierzu jedoch einige gut dokumentierte Anleitungen, die dir durch den Formular-Dschungel helfen. Und wenn du deinen Account einmal eingerichtet hast, hast du damit auch nichts mehr zu tun.

Das Bereitstellen der Dateien ist sehr einfach. Du lädst deine Buch-Datei einfach im Word- oder PDF-Format hoch. Das Cover musst du separat gestalten. Entweder nutzt du dafür eine von Amazon angebotene Vorlage oder du erstellst dein Cover selbst und lädst anschließend eine entsprechende Datei hoch.

Im Backend von Amazon KDP kannst du auch die Texte für deine Buchseite anlegen. Du kannst hier im HTML-Format arbeiten und so ein etwas hübscheres Format anlegen.

Nun musst du nur noch das finale Layout freigeben und deinen Preis festlegen. Wie bei allen Anbietern kannst du mit dem Preis ein wenig herumspielen und so sehen, wie hoch dein Verdienst pro Buch ausfallen wird. Nach deiner Freigabe prüft Amazon das Buch auch noch einmal. Normalerweise ist es dann spätestens am nächsten Tag im Shop erhältlich.

Amazon bietet außerdem die Teilnahme an KDP Select an. Dein Buch kann dann als E-Book auf dem Kindle ausgeliehen werden und du wirst nach gelesenen Seiten bezahlt. Die Vergütung je Seite wird jeden Monat neu festgelegt und hängt davon ab, wie viele Seiten insgesamt gelesen wurden und wie viele Einnahmen Amazon über die Select-Abos hatte. Im Allgemeinen lohnt sich die Teilnahme hier nicht.

Viele Menschen sehen Amazon kritisch, und dafür gibt es gute Gründe. Es ist jedoch so, dass du als Autor*in bei Amazon deine Bücher verkaufen wirst, egal wo du sie veröffentlichst. Auch wenn du mit einem Verlag zusammenarbeitest, wird dieser nicht auf den Vertriebskanal Amazon verzichten. Und die anderen Selfpublishing-Anbieter verkaufen selbstverständlich auch über Amazon. Dies sollte daher kein Grund sein, dich davon abzuhalten, bei Amazon zu veröffentlichen. Es wird so oder so dein Hauptvertriebskanal sein.

Allerdings ist es so, dass du Bücher, die über KDP veröffentlicht werden, nicht über andere Kanäle anbieten kannst. Wenn dies für dich eine zu große Einschränkung ist, solltest du einen der folgenden Selfpublishing-Anbieter wählen.

BoD (Books on Demand)

BoD ist schon sehr lange im Geschäft (seit 1997) und es war der erste Selfpublishing-Anbieter, den ich kannte. Es ist ein deutsches Unternehmen (wie alle vorgestellten außer Amazon KDP), sodass die Anmeldung etwas einfacher ist. Du kannst hier E-Books, Taschenbücher und auch Hardcover-Bücher veröffentlichen. Die Veröffentlichung eines E-Books ist kostenlos. Für ein gedrucktes Buch zahlst du jedoch einmalig 19 Euro. Diese fallen auch wieder an, wenn du eine Neuauflage veröffentlichst oder große Änderungen vornimmst.

Auch BoD bietet Vorlagen für die Cover-Gestaltung an. Außerdem kannst du Templates für deine Textdatei herunterladen. Du hast aber auch die Möglichkeit, alles frei selbst zu gestalten.

Dein Buch kann von allen Online-Plattformen und Buchhandlungen über Bod bezogen werden. Damit das passiert, musst du dich natürlich selbst ums Marketing kümmern. BoD bietet daneben auch ein Comfort-Paket an, bei dem du weitere Unterstützung dazu buchen kannst. Das ist allerdings relativ teuer. Du erhältst ein kostenloses Ansichtsexemplar und 5 Bücher geschenkt und kannst außerdem weitere Services buchen. Dazu zählen unter anderem ein Plotgutachten, Korrektorat und Lektorat. Diese musst du jedoch zusätzlich bezahlen und sie sind nicht günstiger als am Markt.

tredition

tredition verbindet die Vorteile des Selfpublishings (Freiheit, Geschwindigkeit, einfache Umsetzung) mit einigen Vorteilen eines Verlags (Beratung, Pressearbeit, Unterstützung). Dafür kostet die Veröffentlichung bei tredition allerdings Geld, und zwar deutlich mehr als bei den anderen Anbietern, die meist nur eine Einrichtungsgebühr nehmen. Du zahlst einmalig 149 Euro für eine Veröffentlichung als E-Book, Taschenbuch und Hardcover. tredition berät dich dafür bei der Gestaltung und erstellt beispielsweise eine Pressemitteilung bei Erscheinen des Buchs. Das Unternehmen steht auch im Austausch mit dem lokalen Buchhandel.

Weitere Dienstleistungen sind wie bei BoD auch kostenpflichtig. Du kannst beispielsweise das Cover professionell gestalten lassen oder ein Lektorat hinzufügen. All diese Services kosten jedoch genauso viel wie bei freien Lektor*innen oder Designer*innen.

epubli und neobooks

epubli und neobooks gehören beide zum selben Mutterkonzern. Trotzdem bieten sie getrennte Plattformen.

epubli ist dabei am ehesten mit BoD vergleichbar. Die Veröffentlichung als E-Book oder gedrucktes Buch ist jedoch kostenlos und du zahlst auch keine Einrichtungsgebühr. Du kannst auch Einzelexemplare drucken lassen, zum Beispiel wenn du selbst Arbeitshefte gestaltest oder ein Buch für einen besonderen Anlass drucken lassen möchtest.

neobooks konzentriert sich vor allem auf E-Books. Du hast aber auch die Möglichkeit, dein Buch als Taschenbuch drucken zu lassen. Das geht dann aber nicht in Form von Print-on-Demand-Büchern, die bei Bedarf gedruckt und an die Käufer*innen geschickt werden, sondern du bestellst eine bestimmte Anzahl und lässt sie dir liefern.

Die Besonderheit bei neobooks ist, dass du dein Buch auf ihrer Plattform nicht nur veröffentlichen kannst, sondern auch direkt beim Upload sagen kannst, dass du an einem Verlagsvertrag interessiert bist. Die Verlage, die hinter neobooks stehen, können so risikofrei beobachten, ob es einen Markt für dein Buch gibt, und dir im Erfolgsfall dann einen Vertrag anbieten.

Hat dir diese Übersicht geholfen oder hast du noch Fragen zum Thema? Dann freue ich mich natürlich über deine Kommentare!

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