Wie du mit Humor schreiben kannst

Warum Humor wichtig ist

Wie wichtig es ist, Emotionen bei deinen Leserinnen und Lesern zu wecken, habe ich bereits in diesem Artikel erklärt. Emotionen bauen Beziehungen auf, auch in und zu Texten. Humor hat denselben Effekt. Er ist nur ungleich schwieriger zu erzielen. Denn worüber eine Person schallend lachen kann, findet eine andere vielleicht geschmacklos. Wer mit Humor schreiben will, braucht nicht nur welchen, sondern auch Fingerspitzengefühl und ein wenig theoretisches Hintergrundwissen.

Bevor du also deinen Lieblingswitz in deinen Roman einbaust und dich wunderst, warum keiner das komisch findet, kannst du dich hier mit den Grundlagen des Humor vertraut machen.

Was ist Humor überhaupt?

Als Humor bezeichnet man Witz oder Heiterkeit als Reaktion auf bestimmte Dinge. Wenn du also ein Lächeln oder lautes Lachen bei deinen Lesern hervorrufen möchtest, ist Humor gefragt. Dabei zeichnet sich „guter“ Humor dadurch aus, dass er nicht zu offensichtlich ist, sondern die Intelligenz des Publikums herausfordert. Nicht umsonst braucht man manchmal zwei oder drei Sekunden, um einen Witz zu verstehen, den man dann aber für um so besser hält.

Zu leicht verständlicher Humor wird oft eher als platt empfunden. Solcher Humor kann deine Leser tatsächlich auch davon abhalten, deinen Roman bis zum Ende zu lesen, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen. Bevor du also zu viel Humor in deine Geschichten einbaust, teste ihn am besten erst einmal an Freunden und Bekannten.

Wie Humor entsteht

Übertreibung

Die einfachste Art, Humor anzuwenden, ist durch Übertreibung. Dies ist auch eine Form des Humors, wie wir sie häufig im Alltag anwenden, meist mit übertriebenen Vergleichen. Wenn jemand erzählt, dass er jeden Tag 100 Tafeln Schokolade isst, stimmt das sehr wahrscheinlich nicht. Stattdessen steigert er eine Information, die ihm vielleicht peinlich ist – er ist viel zu viel Schokolade – so ins absurde, dass sie witzig wird.

In Geschichten kann man Übertreibung ebenso in Vergleichen einsetzen, aber auch durch den Fortlauf der Geschichte. Wenn dein Held seinen Mülleimer öffnet und dort tatsächlich das Papier von 100 Tafeln Schokolade findet, kann für Lacher sorgen.

Gefahr: Kann in Slapstick ausarten.

Deine Leser in die Irre führen

Ein weiterer Klassiker im Humor ist das Brechen von Erwartungen. Ein Bankdirektor, der im Joker-Kostüm auf der Arbeit erscheint (immerhin auch Anzug und Krawatte), dürfte seine Belegschaft amüsieren. Ebenfalls ein Klassiker sind ungenaue Beschreibungen eines Zeugen, die absolut nicht stimmen bzw. deren Beobachtungen auf witzige Verwechslungen zurückzuführen sind.

In einem Roman kannst du deine Hauptfigur beispielsweise lange nach einem Schatz suchen lassen, der sich als wertlos oder als eine bloße Verwechselung herausstellt.

Gefahr: Wird nicht von jedem verstanden.

Wortwitz

Worte, die sich ähnlich wie andere anhören oder doppeldeutig sind, eignen sich ebenfalls, um damit humorvoll zu schreiben. Ein Klassiker ist das Wort „schlagen“ zum Beispiel in dem Witz „Zwei Schläge: Ich schlage dich, du schlägst mit dem Kopf auf den Boden“.

Tatsächlich sind solche Wortwitze im Englischen viel weiter verbreitet als im Deutschen, da sich die einzelnen Wortarten (Substantive, Verben, Adjektive) auch stärker ähneln und man mehr Möglichkeiten hat, Worte leicht abzuwandeln.

Gefahr: Birgt Schenkelklopfer-Potenzial

Wie du in deinen Geschichten mit Humor schreiben kannst

In Maßen und an den richtigen Stellen

So lange du keine Satire schreibst, solltest du Humor eher fein dosiert in deinen Geschichten einsetzen. Zu viel Humor überdeckt sonst den Inhalt und lenkt deinen Leser ab. Wenn du eine ernste Botschaft mit deinem Buch herüberbringen möchtest, musst du dafür sorgen, dass du auch entsprechend ernst genommen wirst. So ist es zum Beispiel wichtig, dass deine Kernaussage nicht durch eine Slapstick-Einlage deines Protagonisten überlagert wird.

Kleinere humorvolle Sequenzen kannst du häufiger einstreuen. Dies bezieht sich aber eher auf kleinere Absurditäten und witzige Beobachtungen als auf großangelegte komödiantische Einlagen.

In Dialogen

In Dialogen zeigst du die Schlagfertigkeit und die Intelligenz deiner Figuren. Hier darfst du immer witzig sein. Je pointierter und je lustiger deine Figuren antworten, desto intelligenter wirken sie und desto mehr werden deine Leser sie ernst nehmen. Daher darfst und solltest du in Dialogen das Humor-Level ruhig hochziehen.

Mehr zu Dialogen findest du in diesem Artikel.

Abbau von Spannung (Comic Relief)

Viele Autorinnen und Autoren nutzen komische Szenen oder eine humorvolle Wendung, um kurzfristig etwas Spannung in einer Geschichte abzubauen. Zum Beispiel kannst du nach einer extrem spannenden Verfolgungsjagd einen Scherz einbauen. Dies holt deine Leser wieder zurück in die Wirklichkeit und lässt sie die Spannung leichter aushalten.

Worauf du aufpassen musst, wenn du Humor in deinen Geschichten einsetzt

Nicht jeder findet alles gleichermaßen witzig. Dies liegt auch daran, dass Humor sehr gut dafür geeignet ist, Gefühle zu verletzten. Wenn sich jemand über Stereotype, Äußerlichkeiten oder Herkunft von bestimmten Personen lustig macht, finden das oft viele witzig – nur nicht die betroffenen. Achte also beim Schreiben mit Humor darauf, ob deine Witze vielleicht jemanden verletzen könnten.

Wie setzt du Humor in deinen Geschichten ein? Hinterlasse gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren!

 

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