Dein Roman wird besonders lebendig, wenn Figuren in ihm auftauchen, die dein Leser für glaubwürdig hält. (Mehr dazu, wie man Figuren entwickelt, findest du hier.) Glaubwürdige Figuren sprechen auch glaubwürdig. Das hört sich logisch und auch sehr einfach an, ist aber oft sehr schwierig. Dialoge schreiben, die nicht hölzern, gestelzt, aufgesetzt oder künstlich wirken, ist eine echte Kunst.

Warum überhaupt Dialoge schreiben?

Dialoge sind für deinen Roman das Salz in der Suppe. In ihnen kommen deine Figuren zu Wort und können so ihre Persönlichkeit zeigen und ihre eigene Sprache entwickeln. Dialoge sind dynamisch, weil sehr schnell hintereinander Perspektiven verschiedener Figuren eingenommen werden. In ihnen können deine Figuren sich miteinander auseinandersetzen.

Und: Dialoge lassen sich in aller Regel besser lesen als der übrige Text. Das liegt daran, dass sie der gesprochenen Sprache am nächsten sind und man die Art der Sprachverwendung gut aus dem Alltag kennt. Dein Text wirkt dadurch lebendiger und spannender. Gut geschriebene Dialoge ziehen deine Leser in den Bann – und genau das willst du ja.

Wie kannst du nun spannende, authentische und witzige Dialoge schreiben? Das verrate ich dir in den folgenden vier Tipps.

4 Tipps, wie du bessere Dialoge schreiben kannst

Tipp 1: Ein Dialog braucht Spannung

Genau wie dein Roman muss auch jeder Dialog spannend aufgebaut sein. Am besten verwendest du auch im Dialog drei Akte, die Einleitung, den Hauptteil und den Schluss. Und in einem richtig guten Dialog gibt es ebenso wie in jeder deiner Szenen einen Konflikt.

Weil das Ganze besser mit einem Beispiel zu verstehen ist, folgen zwei unterschiedliche Dialoge. In beiden möchte Jonas Sabrina zu einer Schulveranstaltung einladen. Der erste Dialog enthält weder Struktur noch Spannung, der zweite schon.

 

Ohne Konflikt

Mit Konflikt

„Guten Tag, Sabrina!“

„Guten Tag, Jonas!“

„Ich wollte dich fragen, ob du mit mir zum Frühlingsfest gehst.“

„Hm, ich weiß nicht.“

„Also nicht?“

„Nein, eher nicht.“

„Ok, schade.“

„Vielleicht beim nächsten Mal.“

 

 

„Guten Tag, Sabrina!“

„Guten Tag, Jonas!“

„Ich möchte dich fragen, ob du vielleicht mit mir zum Frühlingsfest kommst.“

„Hm, ich weiß nicht.“

„Ach komm, das wird bestimmt super.“

„Eigentlich wollte ich gar nicht gehen. Ich finde solche Schulveranstaltungen doof.“

„Ich bin ganz sicher, dass es super wird. Wenn nicht, bringe ich dich persönlich sofort wieder nach Hause.“

„Naja, ok, ich bin dabei.“

Dialoge schreiben

Natürlich kann man deutlich bessere Dialoge schreiben (und genau das werden wir mit den nächsten Tipps), aber allein der kleine Konflikt lässt ihn ein bisschen spannender wirken. Und man merkt, dass der Held mit seinen Worten etwas erreicht hat. Und genau das wollen wir ja alle, oder?

Tipp 2: Nutze authentische Sprache

Wenn du deine Figuren zum Leben erwecken willst, solltest du dankbar sein für jede Gelegenheit, sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Im Dialog kannst du über die Sprache deiner Figur Eigenheiten, Alter, soziale Herkunft und vieles mehr verraten. Daher sollten zwei unterschiedliche Figuren nie gleich sprechen!

Allgemeine Sprache

Authentische Sprache

„Guten Tag, Sabrina!“

„Guten Tag, Jonas!“

„Ich möchte dich fragen, ob du vielleicht mit mir zum Frühlingsfest kommst.“

„Hm, ich weiß nicht.“

„Ach komm, das wird bestimmt super.“

„Eigentlich wollte ich gar nicht gehen. Ich finde solche Schulveranstaltungen doof.“

„Ich bin ganz sicher, dass es super wird. Wenn nicht, bringe ich dich persönlich sofort wieder nach Hause.“

„Naja, ok, ich bin dabei.“

„Hi, Sabrina!“

„Ach, hallo, Jonas.“

„Am Wochende ist Frühlingsfest.“

„Hm, ja, hab ich gelesen.“

„Hast du nicht Lust, mit mir dahin zu gehen?“

„Hmmm. Ich weiß nicht.“

„Ich weiß aber! Das wird ein super Abend.“

„Ach nee, Schulveranstaltungen sind doof.“

„Ja, klar, deswegen gehen wir ja dahin. Wir lästern über die anderen und wünschen uns unmögliche Lieder.“

„Ok, hört sich tatsächlich nach Spaß an. Bin dabei.“

Hast du den Unterschied zwischen Jonas und Sabrina bemerkt? Die beiden reden völlig verschieden, vorher konnte man sie kaum auseinanderhalten. Dies ist – neben den bereits genannten Gründen – auch wichtig, um nicht bei jedem Satz dazu schreiben zu müssen, wer ihn gesagt hat.

Tipp 3: Nutze den Text um den Dialog herum

Manchmal sind kurze Passagen, in denen die Wortfetzen nur so hin- und herfligen, erfrischend. Aber eben nur manchmal. Die begleitenden Sätze helfen dir dabei den Dialog noch besser einzuordnen und deine Figuren auch durch ihr Verhalten sprechen zu lassen.

Ohne Begleittext

Mit Begleittext

„Hi, Sabrina!“

„Ach, hallo, Jonas.“

„Am Wochende ist Frühlingsfest.“

„Hm, ja, hab ich gelesen.“

„Hast du nicht Lust, mit mir dahin zu gehen?“

„Hmmm. Ich weiß nicht.“

„Ich weiß aber! Das wird ein super Abend.“

„Ach nee, Schulveranstaltungen sind doof.“

„Ja, klar, deswegen gehen wir ja dahin. Wir lästern über die anderen und wünschen uns unmögliche Lieder.“

„Ok, hört sich tatsächlich nach Spaß an. Bin dabei.“ 

 

„Hi, Sabrina“, rief Jonas schon von Weitem, so dass es der gesamte Schulhof hören konnte. Sabrina saß auf einer Mauer und las – wie eigentlich immer.

„Ach, hallo, Jonas.“ Sabrina blickte nur kurz von ihrem Buch auf.

„Am Wochende ist Frühlingsfest.“ Jonas grinste.

„Hm, ja, hab ich gelesen“, sagte Sabrina, während sie langsam eine Seite umblätterte. Jonas wartete einen Moment. Er hatte bemerkt, dass Sabrina gar nicht richtig las.

„Hast du nicht Lust, mit mir dahin zu gehen?“

„Hmmm. Ich weiß nicht.“

Sabrina wollte ein weiteres Mal umblättern, aber Jonas nahm ihr das Buch aus der Hand und schaute sie herausfordernd an.

„Ich weiß aber! Das wird ein super Abend.“

„Ach nee, Schulveranstaltungen sind doof.“

Sabrina griff nach dem Buch, aber Jonas zog es spielerisch weg.

„Ja, klar, deswegen gehen wir ja dahin. Wir lästern über die anderen und wünschen uns unmögliche Lieder.“

Jonas hielt ihr das Buch hin, und Sabrina lächelte.

„Ok, hört sich tatsächlich nach Spaß an. Bin dabei.“

Durch den Begleittext bekommt der Dialog plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Während Sabrina vorher vielleicht wirklich desinteressiert wirkte, merkt man jetzt, dass sie sich nur ein bisschen ziert. Und Jonas wirkt gleich ein bisschen forscher und selbstbewusster.

Tipp 4: Lass deine Figuren so schlagfertig sein, wie du es im echten Leben gerne wärst

Kennst du das? Du verlierst ein Wortgefecht und zwanzig Minuten später fällt dir die perfekte Antwort ein. Nun, deinen Figuren darf das nicht passieren. Denn sie (bzw. du) haben Zeit genug, die perfekte Antwort zu finden. Dialoge schreiben bedeutet nämlich auch, das man Helden erschafft. Und die sind nun einmal in allem besser als wir Alltagsmenschen.

Nicht schlagfertig

Schlagfertig

„Hi, Sabrina“, rief Jonas schon von Weitem, so dass es der gesamte Schulhof hören konnte. Sabrina saß auf einer Mauer und las – wie eigentlich immer.

„Ach, hallo, Jonas.“ Sabrina blickte nur kurz von ihrem Buch auf.

„Am Wochende ist Frühlingsfest.“ Jonas grinste.

„Hm, ja, hab ich gelesen“, sagte Sabrina, während sie langsam eine Seite umblätterte. Jonas wartete einen Moment. Er hatte bemerkt, dass Sabrina gar nicht richtig las.

„Hast du nicht Lust, mit mir dahin zu gehen?“

„Hmmm. Ich weiß nicht.“

Sabrina wollte ein weiteres Mal umblättern, aber Jonas nahm ihr das Buch aus der Hand und schaute sie herausfordernd an.

„Ich weiß aber! Das wird ein super Abend.“

„Ach nee, Schulveranstaltungen sind doof.“

Sabrina griff nach dem Buch, aber Jonas zog es spielerisch weg.

„Ja, klar, deswegen gehen wir ja dahin. Wir lästern über die anderen und wünschen uns unmögliche Lieder.“

Jonas hielt ihr das Buch hin, und Sabrina lächelte.

„Ok, hört sich tatsächlich nach Spaß an. Bin dabei.“

„Hi, Sabrina“, rief Jonas schon von Weitem, so dass es der gesamte Schulhof hören konnte. Sabrina saß auf einer Mauer und las – wie eigentlich immer.

„Ach, hallo, Jonas.“ Sabrina blickte nur kurz von ihrem Buch auf.

„Am Wochende ist Frühlingsfest.“ Jonas grinste.

„Hm, ja, hab ich gelesen“, sagte Sabrina, während sie langsam eine Seite umblätterte. Jonas wartete einen Moment. Er hatte bemerkt, dass Sabrina gar nicht richtig las.

„Ach so, das steht in deinem Buch?“ Jonas grinste. Sabrina schaute auf.

„Vielleicht. Kannst du lesen?“

„Heute muss ich nur fragen können. Und zwar dich. Wie sieht’s aus: Du, ich, das Frühlingsfest, von dem du schon in deinem Buch gelesen hast?“

Sabrina grinste.

„Schulveranstaltungen sind doch langweilig. In der ersten Hälfte versuchen alle, betrunken zu werden, und wenn sie’s dann endlich sind, merken sie nicht, wie bescheuert sie tanzen.“

„Hört sich an, als wärst du schon auf einigen gewesen. Dann darfst du das Frühlingsfest erst recht nicht verpassen. Wir können den anderen beim Betrunkenwerden und Tanzen zuschauen und peinliche Fotos von ihnen machen. Und über sie lästern.“

„Hmmm…“

„Du kannst dein Buch mitnehmen. Falls es ganz schlimm wird.“

„Das hätte ich natürlich eh gemacht. Also ok, bin dabei.“

Das Wichtigste beim Dialoge schreiben ist, dass du die Gespräche deiner Figuren wirklich ausfeilst. Auch, wenn wir glauben, dass Dialoge schreiben sehr einfach ist – schließlich sprechen wir ja jeden Tag miteinander – sind die Erwartungen an deine Figuren höher als an uns „normale Menschen“.

Daher gibt es hier noch einen fünften Tipp: Lerne von Vorbildern. Achte in Romanen und Filmen bewusst auf Dialoge. Viele Serien leben von Dialogen, und solche mit guten Dialogschreibern können dir als Inspirationsquelle dienen.

Hoffentlich helfen dir meine Tipps, richtig gute Dialoge zu schreiben.

 

Hast du auch Tipps, wie man bessere Dialoge schreiben kann?

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